8. Dezember 2026: Pulley schaltet ab und schickt Kunden zu Carta
Pulley macht am 8. Dezember 2026 dicht. Wenn du dort nur dein Cap Table verwaltest, hast du keine Plattform gemietet, sondern deine eigene Beteiligungsdatenbank ausgelagert.
Tim Neunzig
- Dezember 2026 ist der Tag, an dem Pulley den normalen Betrieb beendet. Danach ist dein Cap-Table-Tool nicht mehr dein Werkzeug. Es ist ein Umzugstermin.
Pulley hat im September 2026 angekündigt, nach sieben Jahren zu schließen. Bestehende Kunden sollen zu Carta migrieren. Prospects werden ebenfalls dorthin geschickt.
Das ist kein kleines UI-Problem. Das ist dein Beteiligungsregister, deine Finanzierungs-Historie, deine Stakeholder-Liste, deine Wertpapier-Daten und deine Dokumente. Wenn so ein System stirbt, lernst du sehr schnell, ob du Software nutzt oder ob du nur Zugang mietest.
Was passiert ist
Pulley war eine Cap-Table-Plattform. Startups nutzten sie, um Finanzierungen, Eigentumsanteile, Stakeholder, Equity Securities, Transaktionen und zugehörige Dokumente zu verwalten. Laut Berichten lag die Nutzerbasis bei mehreren hundert Early-Stage-Startups. Eine exakte öffentliche Kundenzahl liegt in den vorliegenden Quellen nicht vor.
Im September 2026 kam die Ansage: Pulley wird heruntergefahren. TechCrunch berichtet, Pulley schließe „after seven years“. Business Insider berichtet ebenfalls, dass Pulley abschaltet und Carta beim Übergang hilft. Pulley selbst verweist Kunden und Interessenten auf Carta.
Die harte Linie steht im Pulley-FAQ. Der letzte Tag für Betrieb und Services ist „December 8, 2026“. Danach ist der normale App-Zugriff vorbei. Begrenzter Zugriff auf Kundendaten endet laut FAQ am „January 31, 2027“. Das ist dein Fenster. Nicht dein Komfortbereich.
Pulley nennt als Startup-Preis „$1,200 per year“. Das sind 100 € pro Monat in dieser Rechnung, weil keine EUR-Listenpreise vorliegen und die Kill-Sheet-Rechnung die USD-Ziffern in EUR übernimmt. Growth liegt laut Pulley bei „$3,500 per year“, also rund 291,67 € pro Monat nach derselben Logik. Enterprise ist nicht öffentlich bepreist. Custom Quote. Also unbekannt.
Für den Startup-Tarif heißt das: 100 € pro Monat mal 36 Monate ergibt 3.600 €. Die Teamgröße in der Rechnung ist 10. Der Preis ist aber nicht pro Sitz, sondern flat. Das macht die Rechnung einfacher. Du zahlst nicht für Nutzer. Du zahlst dafür, dass deine Kern-Daten in einem fremden System liegen, das jetzt ein Enddatum hat.
Carta ist dabei der Auffangpfad. Pulley hat mit Carta zusammengearbeitet, um bestehende Kunden zu migrieren. Das ist besser als gar kein Ausgang. Es bleibt aber ein Anbieterwechsel, den du nicht bestellt hast. Du wolltest dein Cap Table verwalten. Jetzt musst du Fristen, Exporte, Dokumente und Importfehler managen.
Und genau hier liegt der Punkt: Ein Cap Table ist kein Newsletter-Tool. Wenn dort Daten fehlen, wird es schmutzig. Wer hält was. Seit wann. Durch welche Finanzierung. Mit welchem Dokument. Mit welchem Rechtsstand. Pulley hat dafür den Mietzugang gestellt. Am 8. Dezember 2026 endet dieser normale Zugang. Danach redest du über Restzugriff bis 31. Januar 2027. Das ist kein Produkt-Roadmap-Event. Das ist Datenrettung mit Kalender.
Was es wirklich für dich getan hat
Du hast Pulley nicht wegen der Oberfläche bezahlt. Du hast es bezahlt, weil Tabellen bei Beteiligungen irgendwann versagen.
Die täglich wichtigen Teile waren simpel und hart:
Cap-Table-Management. Das System sagte dir, wer was hält. Gründer, Investoren, Mitarbeiter, andere Holder. Ohne saubere Struktur wird daraus eine Excel-Hölle mit falschen Versionen.
Finanzierungs- und Eigentums-Historie. Jede Runde verändert Besitzverhältnisse. Du brauchst den Verlauf. Nicht nur den aktuellen Stand. Sonst kannst du alte Entscheidungen nicht nachvollziehen.
Equity Securities und Transaktionen. Aktien, Optionen, andere Beteiligungsinstrumente, Zuteilungen, Transfers, Finanzierungsereignisse. Alles muss konsistent im Ledger stehen.
Stakeholder-Records. Namen, Rollen, Kontaktinformationen, Zugehörigkeit, Status. Das klingt banal, bis du Investorenlisten, Mitarbeiter-Equity oder alte Holder nachziehen musst.
Dokumente. Verträge, Beschlüsse, Round-Dokumente, Cap-Table-nahe Unterlagen. Sie müssen an den richtigen Datensatz. Nicht in irgendeinem Drive-Ordner mit Dateinamen aus der Hölle.
Migration. Im Shutdown wurde die Export- und Übergabe-Funktion plötzlich zur wichtigsten Funktion. Nicht weil sie sexy ist. Sondern weil sie entscheidet, ob du sauber rauskommst.
Was hat den Preis aufgeblasen? Dazu gibt es in den gesammelten Quellen keine belastbare Liste. Keine Quelle nennt konkrete Pulley-Funktionen, die Teams regelmäßig bezahlt und ignoriert haben. Also wird hier nichts erfunden.
Aber die Trennung bleibt brutal einfach. Was du täglich brauchtest, war ein internes Register mit Rollen, Ledger, Transaktionslog, Dokumentenablage, Audit-Trail und Export. Was du nicht sauber belegen kannst, rechnest du nicht als Wert. Du baust nicht Carta nach. Du baust auch nicht den toten Pulley-Klon nach. Du baust das System, das deine Firma tatsächlich braucht, damit dein Beteiligungsregister nicht wieder an einem fremden Abschaltdatum hängt.
Die Rechnung
| Option | Tarif | Preis pro Nutzer pro Monat | Teamgröße | Laufzeit | Gesamt |
|---|---|---|---|---|---|
| Pulley | Startup | 100 € flat, nicht pro Nutzer | 10 | 36 Monate | 3.600 € |
| Eigener Build | Pro | kein Nutzerpreis | 10 | einmalig | 2.500 € bis 8.000 € |
In den ersten 36 Monaten behältst du gegenüber dem Pulley-Startup-Listenpreis nichts, wenn der Build am oberen Ende liegt, die ausgewiesene Ersparnis ist 0 €. Du behältst aber den Code, die Datenbank, die Dokumente, die Exporte und die Kontrolle über den Server.
Der Payback liegt in dieser EUR-Rechnung bei 80 Monaten. Das ist kein schneller Spar-Case. Das ist ein Kontroll-Case, weil das gemietete System ein festes Enddatum bekommen hat.
Was du stattdessen bauen würdest
Du baust eine kleine selbst gehostete Cap-Table-Records-App. Kein Vollklon. Kein Anbieter-Theater. Nur die Teile, die du wirklich nutzt.
- Stakeholder-Registry: Firmen, Gründer, Investoren, Mitarbeiter und andere Holder mit Kontakt- und Rollen-Daten.
- Securities-Ledger: strukturierte Tabellen für Equity Securities und Ownership-Positionen in PostgreSQL.
- Transaction-Log: Finanzierungs- und Equity-Transaktionen mit Datum, Parteien, Notizen und verknüpften Dokumenten.
- Document-Vault: Ablage für Equity-bezogene Dokumente, verlinkt mit Stakeholdern, Securities und Transaktionen.
- Audit-Trail: wer hat welchen Cap-Table-Datensatz wann geändert.
- Export- und Migration-Pack: CSV-Exporte und Dokumentenpakete, damit du später nicht wieder gefangen bist.
Der Stack bleibt langweilig. Genau richtig. PostgreSQL als relationale Datenbank. Node.js mit Express für die API. React für ein schlichtes Web-UI. MinIO als S3-kompatibler Speicher für Dokumente. Keycloak für Login und Rollen. Docker Compose auf einem Server, der dem Kunden gehört. Dazu PostgreSQL-Backups und Object-Storage-Backups. Keine produktiven Cap-Table-Daten beim nächsten SaaS-Vermieter.
Die Open-Source-Bausteine sind klar. PostgreSQL unter PostgreSQL License für Stakeholder, Securities, Transaktionen und Audit-Historie. Express unter MIT für die kleine Node.js-API. React unter MIT für die Browser-Oberfläche. MinIO unter AGPL-3.0 für selbst gehosteten S3-kompatiblen Dokumentenspeicher. Keycloak unter Apache-2.0 für Authentifizierung und Rollen. Dein eigener App-Code kann unter MIT laufen und auf deinem Server liegen.
Die Migration ist der unsexy Teil. Du nutzt das Pulley-Zugriffsfenster vor dem 31. Januar 2027. Du exportierst Stakeholder-Records, Securities, Transaktionen, Ownership-Daten und Equity-Dokumente. Strukturierte Daten gehen in PostgreSQL. Dokumente gehen in Object Storage. Jeder Upload bekommt einen Link zurück auf den importierten Datensatz. Danach machst du Probe-Exporte. Nicht später. Jetzt.
Was du verlierst: die gehostete Pulley-App, die nach dem 8. Dezember 2026 nicht mehr normal erreichbar ist. Pulley-Support nach dem Ende von Betrieb und Services. Den Carta-assistierten Standardpfad als bequemsten Anbieterwechsel. Alle Pulley- oder Carta-Funktionen außerhalb deines echten Nutzungssets, also breitere Vendor-Workflows, laufende Produktpflege durch einen Anbieter und Support-Prozesse. Du verlierst auch einen Drittanbieter, der eine Produkt-Roadmap verspricht. Bei einem Produkt mit Abschaltdatum ist das weniger tragisch, als es klingt.
Wer das tun sollte
Du solltest bauen, wenn du ein Early-Stage-Startup mit einfachem Cap Table bist, Pulley vor allem als Register genutzt hast und keine Lust hast, beim nächsten Anbieter wieder dieselbe Datenrettung zu spielen. Dein Kernproblem ist nicht Feature-Breite. Dein Kernproblem ist Ownership über die Daten.
Du solltest bauen, wenn du eine wachsende Firma mit internem Finance- oder Ops-Team bist und mehrere Personen Stakeholder, Transaktionen und Dokumente pflegen. Pulley Startup war flat, aber der eigene Build bleibt ebenfalls ohne Sitzpreis. Neue interne Nutzer kosten dich keine neue Monatsmiete.
Du solltest bauen, wenn dein Cap Table überschaubar ist, deine Prozesse stabil sind und du vor allem saubere Exporte, Audit-Trail und Dokumentenbindung brauchst. Dann ist ein kleines System in 2 bis 4 Wochen realistischer als ein monatelanger Plattform-Klon. Der Build-Bereich liegt bei 2.500 € bis 8.000 €.
Du solltest weiter mieten, wenn du tiefe Carta-Workflows brauchst, wenn deine Investoren oder Anwälte ausdrücklich auf einen bestimmten Anbieter bestehen, oder wenn du die Verantwortung für Betrieb, Backups und Rollen gar nicht intern tragen willst. Dann zahlst du weiter. Aber nenn es nicht Freiheit.
Das SaaSKiller-Urteil Pulley hat ein festes Abschaltdatum. Das ist kein gewöhnlicher Anbieterwechsel. Wenn du damit nur Beteiligungen, Wertpapiere, Transaktionen, Stakeholder und Dokumente verwaltest, mietest du im Startup-Tarif im Grunde eine Datenbank für 3.600 € über drei Jahre. Bau das kleine System, zieh die Daten vor Ablauf des Zugangs heraus und lass nicht die nächste SaaS-Abschaltung über dein Cap Table entscheiden.
Quellen
- https://techcrunch.com/2026/09/16/pulley-a-carta-rival-is-shutting-down/
- https://pulley.com/guides/faq-what-is-happening-with-pulleys-shutdown
- https://www.businessinsider.com/pulley-shuts-down-carta-helps-transition-customers-2026-9
- https://themoneytimes.media/2026/09/16/startup-pulley-which-aimed-to-rival-carta-announces-shutdown-after-seven-years/
- https://news.lavx.hu/article/pulley-shuts-down-carta-steps-in-to-absorb-customers
- https://pulley.com/blog-posts/cap-table-software-for-mid-market-companies
- https://runtimewire.com/article/pulley-shuts-down-carta-customer-migration
- https://www.businessinsider.tw/article/7139
- https://technori.com/2026/09/26858-cap-table-software-pulley-shutdown-carta/mquill/
- https://startupfortune.com/pulley-is-shutting-down-after-seven-years-and-handing-its-customers-to-carta/
- https://quasa.io/insights/pulley-shuts-down-december-8-founders-must-move-their-cap-tables
- https://ground.news/article/pulley-is-shutting-down-after-seven-years-and-handing-its-customers-to-carta_7871e5
- https://newsletter.failory.com/p/from-rival-to-referral
- https://ua.news/en/technologies/platforma-pulley-dlia-upravlinnia-kapitalizatsiieiu-zakriietsia-8-grudnia
- https://x.com/AGTPinsights/status/2099938248030380508
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